Dez02
2010

Eleganter Klassiker – Der Mercedes-Benz SL R107

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Geschrieben 2. Dezember 2010 von
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Ein wahrer Dauerbrenner ist der Mercedes-Benz SL R107. Keiner war so lange aktuell wie er. Von April 1971 bis zum 4. August 1989 wurde der Roadster gebaut, 237.287-mal, ein Riesen-Erfolg. 18 Jahre lang war die Baureihe 107 der Inbegriff von Solidität, Vertrauen und Geradlinigkeit. Über fast zwei Dekaden galt der SL als Statussymbol der feineren Gesellschaft.

Mercedes-Benz Typ 560 SL der Baureihe R 107

Mercedes-Benz Typ 560 SL der Baureihe R 107

Als Nachfolger der grazilen Pagode (W113) wurde der Roadster anfangs noch mit Skepsis empfangen. Gepflegte Langeweile mit unterkühltem Charme hieß es erst. Die seitlichen Waschbrettlinien, die sich bis zum Produktionsende hartnäckig an den Flanken hielten, brandmarkte Design-Rebell Luigi Colani gar als „unterste Trickkiste des Automobildesigns“. Aber es war wohl gerade diese unaufgeregte Eleganz, die dem Roadster eine Karriere ohne Skandale bescherte.

Zum Marktstart war der Evergreen ausgereift wie ein guter Bordeaux. Seine Rostjahre hatte er hinter sich. Kurz: Er war eine sichere Bank, die sich überwiegend Herrschaften mit grauen Schläfen und eher bedächtiger Fahrweise leisteten. Zum deftigen Grundpreis von 63.500 D-Mark (9/1985) – ein 300 SE mit dem gleichen Motor war 5.900 Mark billiger.

Dass da trotzdem noch reichlich Luft nach oben war, bedarf kaum der Erwähnung. Die Liste der Sonderausstattungen war beim SL ebenso lang wie dreist. Neuzeitliches Zeug wie Fahrerairbag (2.280 D-Mark) und Reiserechner (1.106 D-Mark) tauchten darin auf, aber auch eine Klimatisierungsautomatik für schlanke 4.845 D-Mark, eine Telefonvorbereitung (2.736 D-Mark) oder eine Rückbank für Kinder (ab 1.020 D-Mark).

Doch das viele Geld war ja gut angelegt, wie man jetzt weiß. Heute erzielen makellose, wenig gefahrene 300 SL aus erster Hand Preise jenseits der 30.000 Euro. Qualität ist eben kein Zufall.

Von dieser Qualität war nicht nur Mercedes-Benz, sondern auch die Fachpresse von Anfang an überzeugt. Schon die ersten Sätze in der Bedienungsanleitung des R 107 ließen eine Prognose auf die Langlebigkeit des Roadsters vermuten, denn Mercedes-Benz war sich seiner Sache sicher. „Sie haben ein Auto gekauft, bei dessen Konstruktion und Produktion wir uns viel Mühe gegeben haben. Denn wir stehen auf dem Standpunkt: Qualität ist kein Zufall.“

Auch die Fachpresse war sich damals schon sicher und prophezeite: „Der 300 SL wird mal zum begehrten Sammlerobjekt.“ Was – mit etwas Zeitversatz – natürlich auch so kam. Heute gilt gerade der SL als Ikone und stabile Wertanlage.

Mercedes-Benz SL der Baureihe R 107 (1971-1989) in den Variation offen, geschlossen und mit Hardtop

Mercedes-Benz SL der Baureihe R107 (1971-1989) in den Variation offen, geschlossen und mit Hardtop

Der Mercedes-Benz SL R107 wurde von 1971 bis 1989 gebaut. Insgesamt 237.287 Exemplare liefen in 18 Jahren vom Band. Dazu kamen noch 62.888 SLC, die Coupé-Variante (1972 bis 1981), die auf einer 36 Zentimeter längeren Bodengruppe fuhr. Sie stand aber stets im Schatten des SL. Als Nachfolger des W113 tat sich der R107 zunächst schwer und steckte für sein barockes Design harsche Kritik ein. Doch die Aufregung legte sich schnell, der Roadster reifte selbst zum Sinnbild von Zeitlosigkeit. Ein Klassiker der Moderne, der die besten Verkaufszahlen sogar gegen Ende seiner langen Amtszeit einfuhr. 81 Prozent aller SL gingen in den Export, die meisten in die USA. Hier dominierten ganz klar die V8, zunächst der 350 SL, dann der 450 SL (ab 1973), der 380 SL (ab 1980) und der 500er (ab 1980). Es folgten der 420er und für die USA der 560er. Die sparsameren Sechszylinder 280 SL (ab 1974) und 300 SL (ab 1985) erreichten insgesamt nur einen Anteil von gerade mal 16 Prozent.

Mercedes-Benz Typ 500 SL der Baureihe R 107

Mercedes-Benz Typ 500 SL der Baureihe R 107

Wer sich heute einen R107 in die Garage als Wertanlage stellen will, steht vor einem üppigen Angebot. Vor allem Heimkehrer aus den USA finden sich reichlich in den einschlägigen Börsen. Entsprechend gibt es ein Überangebot an Achtzylinder-Modellen, seltener sind die Sechszylinder-Versionen. Gefragt bei Sammlern: vor allem die korrosionsbeständigeren Facelift-Modelle ab September 1985, hier speziell der 300 SL. Sie erreichen den höchsten Reifegrad, und viele haben schon moderne Errungenschaften wie ABS oder Airbag an Bord.

Die Hände sollte man auf jedem Fall verbastelten, breiter gemachten Tieffliegern mit vielen Vorbesitzern und dubiosem Lebenslauf lassen. Gepflegte Original-Typen aus rüstiger Ersthand sind zwar selten, aber es gibt sie noch. Da die Achtzylinder heftige Trinker sind, geht die Empfehlung klar zum Sechszylinder – am besten gleich zum 300 SL. Ein harmonisches Auto, das ab September 1986 bereits mit serienmäßigem G-Kat ausgeliefert wurde. Leistungsmäßig völlig ausreichend, aber beim Unterhalt spürbar günstiger als die fetten V8.

Der SL hat wenig Schwächen. Bis zur Modellpflege nagte trotz aufwendiger Vorsorge die braune Krankheit am SL-Blech. Vor allem am Vorderbau. Erst ab 1985 wurden die Innenkotflügeln aus Kunststoff besser gegen Rost geschützt. Die Scheinwerfertöpfe, Radausschnitte, Schweller, Schwellerspitzen, Heckschürze und die zahlreichen Hohlräume sollten auf der Bühne daher gründlich untersucht werden.

Mercedes-Benz Typ 560 SL der Baureihe R 107 (1971-1989) nach der Modellpflege 1985

Mercedes-Benz Typ 560 SL der Baureihe R 107 (1971-1989) nach der Modellpflege 1985

Die Motoren gelten als durstig, haben aber eine Pferdelunge. Laufleistungen von über 250.000 Kilometer sind für die Sechs- und Achtzylinder keine Seltenheit. Probleme mit Nockenwellen hatten nur frühe Achtzylinder und 300er. Die Lenkung leidet unter zu viel Lenkspiel, ausgeschlagene Fahrwerklager sind ebenfalls keine Überraschung. Im Innenraum sollte vor allem auf Vollständigkeit und nicht durchgesessene Sitze geachtet werden.

Die Ersatzteillage für den Mercedes-Benz Typ R107 ist ausgesprochen gut. Mercedes-Originalqualität zu Mercedes-Originalpreisen gibt es bei jeder Niederlassung. Günstigere Teile finden Sie im Internet oder bei Klubs. Engpässe kann es – wenn überhaupt – bei seltenen Innenraumteilen früher Modelle geben. Deutlich angezogen haben die Preise für Chromteile und die originalen Alu-Räder.

Technische Daten Mercedes-Benz 300 SL

Reihensechszylinder vorn längs, zwei Ventile pro Zylinder, oben liegende Nockenwelle, mechanische Benzineinspritzung Bosch KE-Jetronic, Hubraum 2962 ccm, Leistung 132 kW (188 PS) bei 5700/min, max. Drehmoment 260 Nm bei 4400/min, Fünfganggetriebe (auf Wunsch Vierstufenautomatik), Hinterradantrieb, Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern vorn, an Schräglenkern hinten, Reifen 205/65 VR 15, Radstand 2460 mm, L/B/H 4390/1790/1305 mm, Leergewicht 1530 kg, 0–100 km/h 10 s, Verbrauch 14,5 l Super/100 km, Spitze 200 km/h, Neupreis 1985: 63.500 D-Mark

Mercedes-Benz 350 SL der Baureihe R 107. Das Foto zeigt ein Fahrzeug der ersten Serie.

Mercedes-Benz 350 SL der Baureihe R 107. Das Foto zeigt ein Fahrzeug der ersten Serie.

Mercedes-Benz SLC (Baureihe C 107, 1971 bis 1981)

Mercedes-Benz SLC (Baureihe C 107, 1971 bis 1981)

Fotos: Daimler AG

Mehr Informationen zum Mercedes-Benz SL Typ R107 können Sie in der Auto Bild Klassik vom 20. Oktober 2010 nachlesen.

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Geschrieben von Maik Jürß
Erschienen am Donnerstag, den 02. Dezember 2010 um 11:57 Uhr  |  29.837 Besuche

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