Jan03
2011
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Ein hermetisch abgesperrtes Gelände am Ortsrand, bessert als Fort Knox oder das Bundeskanzleramt, das ist das Mercedes-Benz Designcenter Sindelfingen. Es ist nicht nur der größte Entwicklungsstandort der Schwaben, sondern auch der zentrale Knotenpunkt in einem beinahe weltumspannenden Netzwerk von Studios und Designcentern, in denen eine rund 500 Kreative zählende Mannschaft den Mercedes-Benz von Morgen formt.

Dabei hat zwar jedes Studio seine Spezialaufgabe, beobachtet ein bestimmtes Feld und sondiert ausgewählte Trends. Aber nebenbei liefern fast alle für jedes neue Modell ihre eigenen Entwürfe und treten so im internen Wettbewerb gegeneinander an, damit am Ende die beste Idee gewinnt und dann gemeinsam verfeinert werden kann.

In Deutschland / Sindelfingen ist dabei vor allem fürs Grundsätzliche zuständig. Zwar bekommen hier auch die Serienmodelle ihren letzten Schliff, und es gibt sogar Teams, die nichts anderes gestalten als Felgen oder Rückleuchten. Doch vor allem werden hier im Designcenter die Strategien entwickelt und die großen Trends geboren.

Seit Gorden Wagener an die Spitze der Mannschaft berufen wurde, gewinnt diese Arbeit wieder an Bedeutung. Seitdem gilt der Claim „perfect esthetics“ als oberstes Ziel und der Markenstern definiert Tradition, Innovation und Zukunftsfreude als wesentliche Elemente des Mercedes-Designs. Man besinnt sich wie mit dem SLS auf alte Ideale, die neu interpretiert werden, findet zurück zur Skulptur und sucht nach frischen Formen, die wie zum Beispiel beim CLS Shooting Break immer wieder auch zu völlig neuen Produkten führen.

Mercedes-Benz E-Klasse Cabriolet

Dabei bedienen sich die Designer aus einem Gen-Pool markentypischer Stilelemente, mit denen nicht schablonenhafte Kopien, sondern immer wieder frische, neue und trotzdem vertraute Formen entstehen sollen. Damit sich dieser Prozess nicht verlangsamt und irgendwann ins Stocken gerät, gibt es das Advanced-Design, das immer wieder vorauseilt und die Mannschaft mit besonders futuristischen Entwürfen auf Trab hält. Derzeit sind das vor allem Skulpturen in zum Teil aberwitzigen Techniken, mit denen die international besetzte Kreativtruppe die Oberflächen erkunden und neue Gestaltungsmerkmale entwickeln will.

Was in Sindelfingen an Strukturarbeit fürs Exterieur geleistet wird, das macht italienischen Como für die inneren Werte. In einer alten Villa am Seeufer unterhält Mercedes-Benz das einzige Studio weltweit, das sich ausschließlich dem Interieur-Design widmet. Hier entstanden nicht nur das Innenleben vom CLS und der S-Klasse, sondern auch Studien wie der Mercedes F-800, der als Maßstab für künftige Innenräume gilt. Kein Wunder – nirgendwo sonst in Europa ist die Modeszene attraktiver und nirgends werden mehr Designermöbel hergestellt als in Norditalien. „Hier gibt es einfach die besten Anregungen für Color und Trimm und für die Innenraumgestaltung“, sagt Hartmut Sinkwitz, der das Interieur-Design bei Mercedes leitet und künftig noch wichtiger wird.

Mercedes-Benz Studie F 800

Mercedes-Benz Studie F 800

„Als Wirtschaftsmacht hat ihnen China zwar längst den Rang abgelaufen. Doch die Japaner bleiben die Technologieführer in Asien“, sagt Steffen Köhl, der bei Mercedes das Advanced-Design leitet. In der japanischen Hauptstadt Tokio ist der Puls der Zeit deshalb besonders deutlich zu spüren. Das gilt nicht nur für technische Errungenschaften, sondern auch für gesellschaftliche Veränderungen. Die japanische Hauptstadt ist schon heute eine Megacity mit Verkehrsverhältnissen, wie wir sie bald in immer mehr Städten haben werden.

Das mag für die Einheimischen eine Katastrophe sein, weil sie im Dauerstau stehen und im Auto mehr wohnen als fahren. Doch für Köhl und seine Truppe ist das ein Segen, denn auch wenn die Mannschaft, die in einem ehemaligen Autohaus in Yokohama logiert, natürlich auch an Serienmodellen arbeitet und so zum Beispiel die Wiedergeburt der Marke Maybach initiiert hat, soll sie sich vor allem um künftige Mobilitätskonzepte kümmern.

Einräder, Roller oder elektrische Zwitter aus Motorrad und Speedboot – keine Idee gegen den Lustverlust in der Massenmobilität ist zu abgefahren, als dass sie hier nicht zumindest auf dem Papier Gestalt annehmen würde. Und für Studioleiter Holger Hutzenlaub sind das keine Spinnereien: „So verrückt manche dieser Ideen auf den ersten Blick auch wirken mögen, wir meinen es mit solchen Konzepten sehr ernst und werden die passenden Fahrzeuge für die Mega Citys von Morgen auf die Straße bringen“.

Mercedes-Benz GLK

Mercedes-Benz GLK

China ist für Premiumhersteller wie Mercedes-Benz längst einer der wichtigsten Märkte. Kein Wunder also, dass Mercedes-Benz auch dort ein eigenes Designstudio aufbaut. Noch ist das allerdings nicht viel mehr als ein Büro im Daimler-Tower, und Studioleiter Oliver Boulay ist auf der dringenden Suche nach passenden Räumlichkeiten, damit sein Team endlich richtig loslegen kann. Doch den ersten wichtigen Entwurf aus China haben die Kollegen in Sindelfingen bereits bekommen – und glatt umgesetzt. Und zwar nicht in der Oberklasse, wo im Reich der Mitte die meiste Musik spielt, sondern am anderen Ende des Portfolios: Mit dem ersten Zweirad von Daimler seit dem Reitwagen von 1875. Denn die Idee für den in Paris enthüllten Smart Scooter ist vor knapp zwei Jahren hier in Peking entstanden.

Hirn und Herz mögen vielleicht in Sindelfingen sein. Doch dass Mercedes-Modelle Lust und Leidenschaft ausstrahlen und manchmal auch einfach nur Spaß machen, das ist ein Verdienst der Kollegen im amerikanischen Carlsbad. Denn in Kalifornien, zwei Stunden südlich von Los Angeles, arbeiten sie auf der Sonnenseite des Lebens. Zwar ist und bleibt Kalifornien auch der Hotspot für grüne und saubere Autos, doch nirgendwo werden mehr Sportwagen und Luxuslimousinen verkauft als in Los Angeles oder San Diego und nirgendwo lässt man sich darin so gerne sehen. Deshalb hat nicht nur der Mercedes-Benz CLS vor allem hier Gestalt angenommen, auch die Wiedergeburt des SLS wurde in Carlsbad vorangetrieben.

Mercedes-Benz E-Klasse Shooting Break

Mercedes-Benz E-Klasse Shooting Break

Aber die Exil-Schwaben, die übrigens in einem ehemaligen Studio von Chrysler arbeiten, sind auch für ein paar Überraschungen gut. Der Smart zum Beispiel ist nicht in Stuttgart erdacht worden oder im überfüllten Tokio, sondern der kleinste Daimler kommt ausgerechnet aus dem Land mit den größten Autos: aus Amerika.

Das Design von Mercedes-Benz entsteht in einem weltumspannenden Prozess. Nicht nur die Daten, sondern oft genug auch die Menschen und Modelle reisen dafür regelmäßig um den Globus. Doch so glamourös die Ziele und so schillernd die Studios auch sein mögen – die Entscheidungen fallen da, wo das Herz der Marke schlägt, in Sindelfingen.

Mercedes-Benz E-Klasse Cabriolet

Mercedes-Benz E-Klasse Cabriolet

Mercedes-Benz Studie F 800

Mercedes-Benz Studie F 800

Mercedes-Benz E-Klasse

Mercedes-Benz E-Klasse

Mercedes-Benz S-Klasse

Mercedes-Benz S-Klasse

Fotos: Daimler AG

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Geschrieben von Maik Jürß
Erschienen am Montag, den 03. Januar 2011 um 18:47 Uhr  |  8.167 Besuche

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2 Kommentare zum Beitrag “Mercedes-Benz Design aus Deutschland, Italien, Japan, China und Amerika”


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  1. 1
    Amerikanische Autos und die Autoliebhaberszene | RSS Verzeichnis schreibt:

    […] http://www.mercedes-seite.de/zukunft/entwicklung/2011/01/mercedes-benz-design-aus-deutschland-italie… Der Smart zum Beispiel ist nicht in Stuttgart erdacht worden oder im überfüllten Tokio, sondern der kleinste Daimler kommt ausgerechnet aus dem Land mit den größten Autos : aus Amerika . Das Design von Mercedes-Benz entsteht in einem … […]

  2. 2
    News zu Grafik, Design, Drupal, Illustration und Maskottchen am 13.01.11 schreibt:

    […] Auf mercedes-seite.de dieser Beitrag: » Mercedes-Benz Design aus Deutschland, Italien, Japan, China und … […]

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