Mrz01
2016
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Tachomanipulation - Jeder dritte Gebrauchtwagen in Deutschland betroffen

Tachomanipulation – Jeder dritte Gebrauchtwagen in Deutschland betroffen

Haben Sie schon mal im Internet nach „Tacho justieren“ gesucht? Sie werden überrascht sein, wie viele hunderte Ergebnisse Sie erhalten. Unzählige „Experten“ bieten Ihre Dienstleistung zur Verjüngung von Gebrauchtwagen an. Den Kilometerstand eines Autos zurückstellen ist leider kinderleicht. Mit ein paar Fingertipps verwandelt sich ein fünf Jahre alter Gebrauchtwagen zum Jahreswagen zurück. Von der Tachomanipulation ist jeder dritte Gebrauchtwagen in Deutschland betroffen. Seit ein paar Jahren setzt sich der ADAC dafür ein, dass Autos gegen die Manipulation besser geschützt werden. Jedoch unternimmt die Autoindustrie nach Ansicht des ADAC zu wenig.

Vollkommen ungeniert bieten „Experten“ Ihren Service im Internet an. Obwohl es sich um eine eindeutige Straftat handelt, haben sie wenig zu befürchten. Tacho-Fälschung ist für Kriminelle ein Kinderspiel und kein Fahrzeugmodell ist gegen Eingriffe geschützt. Das Verbrechen dauert nur wenige Sekunden und ist schon für unter 100 Euro zu bekommen. Egal ob ein paar Jahre alter Gebrauchter oder ein Jahreswagen – kurz an der Uhr gedreht und schon steigt der Wert des Wagens erheblich.

Richtig „Gewinnbringend“ ist der Betrug bei Sportwagen. Wird zum Beispiel der Tacho von 150.000 auf 50.000 Kilometer zurück programmiert, so kann der Wert des Fahrzeuges nach Berechnungen des Kraftfahrzeugtechnischen Instituts (KTI) um mehr als 12.000 Euro steigen. Besonders attraktiv ist der Kilometerschwindel auch bei Leasingrückläufern. Große Dienstwagen, die in kurzer Zeit gewaltige Strecken zurücklegen, sehen nach außen hin noch sehr neu aus. Wird hier an der Uhr gedreht, dann fällt die Verjüngung am wenigsten auf.

Tatsächlich ist bei Autos mit relativ hoher Laufleistung die Betrugsgefahr am höchsten. Über alle Klassen hinweg „lohnt“ sich die Manipulation dort am meisten. Im Schnitt sind knapp 5.000 Euro für ein paar Sekunden Tachotrickserei drin. Mit der Halbierung von 100.000 auf 50.000 Tachokilometer  sind noch gut 3.000 Euro zu machen. Auch die Bereinigung einer Laufleistung von 150.000 auf nur noch 100.000 Kilometer bringt noch rund 2.000 Euro.

Laut KTI ist die elektronische Mogelei nicht nachweisbar. Offenbar ist der Zugang über die OBD (On Board Diagnosis)-Schnittstelle ein Scheunentor für jeden, der nur ein passendes Gerät und etwas Kenntnis hat. Die kleine Korrektur läuft in Sekunden ab und hinterlässt zumeist keine Spuren – es ist also nur selten möglich, den Tachobetrug in der Software selbst aufzudecken.

Sorgfältige Prüfung der Fahrzeug-Historie stellt allerdings eine gewisse Chance dar, die Betrüger zu überführen. Korrekte Werkstattrechnungen, Eintragungen im Serviceheft, Ölwechsel- und Service-Aufkleber im Motorraum und HU-Bescheinigungen enthalten immer auch den Kilometerstand und ein Datum, so dass sich bereits mit Hilfe von 3-4 solcher Daten die Glaubwürdigkeit (oder Zweifelhaftigkeit) einer Fahrzeug-Biographie recht gut nachprüfen lässt. Auch der Kontakt zu den Vorbesitzern (stehen in der Zulassungsbescheinigung) sollte nicht gescheut werden.

Wer auf Dokumente nicht zurückgreifen kann, dem hilft nur simple Rechnung: Durchschnittlich ist ein deutscher Pkw 12.000 Kilometer pro Jahr unterwegs; Stadtautos deutlich weniger, Oberklasse-Pkw mit Dieselmotor erheblich mehr. Hat ein Auto eine erheblich abweichende Laufleistung, sollten Sie argwöhnisch werden. Kann Ihnen der Verkäufer keine einleuchtende Erklärung vorlegen – Finger weg!

Wer Tachometer manipuliert, der macht sich nach § 22 b Straßenverkehrsgesetz  (Mißbrauch von Wegstreckenzählern und Geschwindigkeitsbegrenzern) strafbar. Dies gilt sowohl für elektronische als auch mechanische Tachometer. Darüber hinaus ist auch die Vorbereitung einer solchen Tachomanipulation durch Herstellen, Verkauf oder Überlassen entsprechender Computerprogramme strafbar. Das Gesetz sieht Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe vor.

www.adac.de

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Fotos: Daimler AG, Homepage www.adac.de

www.mercedes-seite.de

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Geschrieben von Maik Jürß
Erschienen am Dienstag, den 01. März 2016 um 00:15 Uhr  |  1.299 Besuche

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