Okt20
2009
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Prof. Dr. Hans Scherenberg neben dem Mercedes-Benz Experimentier-Sicherheitsfahrzeug ESF 22 bei der Präsentation anlässlich der vierten ESV-Konferenz im März 1973 in Tokio.

Prof. Dr. Hans Scherenberg neben dem Mercedes-Benz Experimentier-Sicherheitsfahrzeug ESF 22 bei der Präsentation anlässlich der vierten ESV-Konferenz im März 1973 in Tokio.

Im November 1969 gibt Hans Scherenberg das Startsignal zur Gründung der Daimler-Benz Forschung. Sie schafft die Grundlagen für viele wichtige Entwicklungen der Kraftfahrzeugtechnik, beispielsweise des Anti-Blockier-Systems, des Airbag und des Navigationssystems. Heute verantwortet das Daimler Vorstandsmitglied Thomas Weber sowohl die Konzernforschung als auch die Mercedes-Benz Cars Entwicklung.

Formal wird der Forschungsbereich zwar erst 1971 vom Vorstand etabliert, doch die Vorbereitungen beginnen sofort, nachdem Scherenberg, ordentliches Vorstandsmitglied für die Entwicklung, seinem Mitarbeiter Hans-Joachim Förster den Auftrag zum Aufbau gegeben hatte. Scherenberg leitet die Notwendigkeit aus drängenden Fragen der Zeit ab – nach Autoantrieben mit geringeren Emissionen beispielsweise und auch nach immer sichereren Fahrzeugen. Der promovierte Ingenieur weiß, dass das Unternehmen fundierte Antworten benötigt, um weiterhin in der Automobiltechnik ganz vorn zu sein und Maßstäbe zu setzen.

Förster legt noch im November 1969 ein umfassendes Organisationsschema vor. Er hat sehr klare Vorstellungen davon, wie die Forschung eines Automobilherstellers wichtige Erkenntnisse für die Serienfertigung von Fahrzeugen erbringen kann. Die frühen Fachgebiete heißen „Zukunft – Umwelt – Verkehr“, „Fahrzeug“, „Antrieb“ und „Technische Physik“. Sie decken alle Fragestellungen der damaligen Zeit ab, beispielsweise emissionsarme Verbrennungsmotoren, Elektrofahrzeuge, stufenlose Getriebe, Sensoren, Assistenzsysteme, Fahrwerktechnik, Bremstechnologie, und Scheinwerfer, aber auch gesellschaftliche Entwicklungen für die Mobilität der Zukunft. Aus heutiger Sicht und mit dem heutigen Stand der Technik vor Augen mögen diese Themen vollkommen logisch formuliert sein; Ende der 1960er Jahre waren viele der Forschungsgebiete äußerst visionär und wurden nicht von jedem in allen Details verstanden. Das machte die Etablierung der Konzernforschung nicht immer leicht.

So ist der Aufbau des Bereichs in den ersten Jahren mühsam – doch er gelingt. Nicht zuletzt die Ölkrise des Jahres 1973 macht deutlich, wie wichtig fundierte Erkenntnisse sind, um Zukunftsfragen zu beantworten. Schon wenige Jahre später stellt niemand mehr die Bedeutung einer eigenen Konzernforschung in Frage.

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Geschrieben von Oliver Hartwich
Erschienen am Dienstag, den 20. Oktober 2009 um 11:48 Uhr  |  6.800 Besuche

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