Aug18
2012
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Maximilian Edwin Hoffman, Mercedes-Benz Importeur für USA in den 1950er-Jahren und Initiator der Fahrzeuge 300 SL (W 198 I), 300 SL Roadster (W 198 II) und 190 SL (W 121).

Maximilian Edwin Hoffman, Mercedes-Benz Importeur für USA in den 1950er-Jahren und Initiator der Fahrzeuge 300 SL (W 198 I), 300 SL Roadster (W 198 II) und 190 SL (W 121).

Max Hoffman war Mitte der 1950er-Jahre für Daimler-Benz ein ähnlicher Glücksfall wie rund 50 Jahre zuvor der Kaufmann Emil Jellinek für die Daimler-Motoren-Gesellschaft. So wie es ohne Jellinek nie einen Mercedes gegeben hätte, gäbe es ohne Hoffman keinen Mercedes-Benz SL als Serienfahrzeug. Denn seiner Initiative und seinen Vorstellungen sind die am 6. Februar 1954 auf der International Motor Sports Show in New York präsentierten Mercedes-Benz Typen 190 SL und 300 SL zu verdanken.

Maximilian Edwin Hoffmann wird am 12. November 1904 in Wien geboren. (Vorweg: 1946 tilgt er das zweite „n“ am Namensende, weshalb im Folgenden die Schreibweise Hoffman hier verwendet wird.) Schon sehr früh wird der Junge mit Technik und Fortbewegung konfrontiert. Sein Vater besitzt in der Umgebung Wiens eine Nähmaschinenfabrik, die ihr Produktionsprogramm später auf den Bau von Fahrrädern umstellt. Zu Beginn der 1920er-Jahre beschleunigt Max Hoffman seinen persönlichen Vortrieb, indem er einem Fahrrad mit Unterstützung eines DKW-Hilfsmotors und Riemenantrieb zu größerer Geschwindigkeit verhilft. Später ersetzt ein Motorrad des Herstellers AJS mit 350 Kubikzentimeter Hubraum das Fahrrad. Mit diesem nimmt er erfolgreich an Rennen teil. Motorradrennen bleiben Zeit seines Lebens eine stille Leidenschaft.

Aber nicht nur Motorradrennen. Denn die Passion für schnelles Autofahren ist mit ein Grund für seinen späteren Geschäftserfolg in den USA. Hoffman, der sich nie als Techniker oder als Rennfahrer sieht, hat ein ausgeprägtes Gespür für Technik und auch Talent für fahrdynamische Vorgänge. Er ist das, was man in den USA einen „Carguy“ bezeichnet.

Maximilian Hoffman - Impulsgeber für den Mercedes-Benz 190 SL und 300 SL. Foto: Mercedes-Benz Typ 300 SL Roadster (W 198 II, 1957 bis 1963) aus dem Jahr 1960.

Maximilian Hoffman – Impulsgeber für den Mercedes-Benz 190 SL und 300 SL. Foto: Mercedes-Benz Typ 300 SL Roadster (W 198 II, 1957 bis 1963) aus dem Jahr 1960.

Hoffmans Begabungen sind breit gefächert und nicht nur auf automobile Dinge beschränkt. Sein großes Talent für Gestaltung und sein ausgeprägtes Gefühl für Formen lässt ihn die Architektur seiner Häuser oder Showrooms maßgeblich mit prägen und gestalten. Weitere erkennbare Begabungen sind sein Verkaufstalent und das Erkennen zukünftiger Markttrends.

Es heißt, Hoffman sei ein nicht immer einfacher, aber immer zuverlässiger Geschäftspartner gewesen. Einmal mit der Einschätzung konfrontiert, er sei schwierig, sagt er: „Ich prüfe eine Sache sehr sorgfältig, bevor ich mich für etwas entschließe. Ich sehe mir jedes Detail an und bewerte jeden Aspekt. Es ist für mich eine große Freude, ein gutes Geschäft zu machen. Wenn das schwierig ist, na gut, vielleicht bin ich es dann.“ Aber auch für seine unmittelbare Umgebung ist er stets fordernd. Ein Mitarbeiter eines Geschäftspartners meint einmal, dass ein Nachmittag mit Hoffman so anstrengend sei wie eine ganze Woche Arbeit. Hoffman wird nicht von allen geliebt; aber er wird respektiert von allen, die mit ihm zu tun haben.

Maximilian Hoffman - Impulsgeber für den Mercedes-Benz 190 SL und 300 SL. Foto: Mercedes-Benz Typ 300 SL (W 198 I, 1954 bis 1957).

Maximilian Hoffman – Impulsgeber für den Mercedes-Benz 190 SL und 300 SL. Foto: Mercedes-Benz Typ 300 SL (W 198 I, 1954 bis 1957).

Hoffman macht sich zunächst in dem 1920er- und 1930er-Jahren in Österreich einen Namen als schneller Autofahrer – und ist erfolgreich als Automobil-Importeur. Mit einem Partner gründet er die Firma Hoffman & Huppert, unter anderem der erste Volvo-Importeur in Europa. Als unter dem Einfluss der Nationalsozialisten die Situation für Juden in Deutschland und Österreich unerträglich wird, geht Hoffman nach Frankreich. Nach dem Überfall Deutschlands auf Frankreich gelingt es Hoffman, auf einem portugiesischen Schiff in die USA auszuwandern und kommt am 21. Juni 1941 in New York an. Da während des Krieges auch in den USA kein Geschäft mit Automobilen zu machen ist, hat Hoffman eine im Wortsinn glänzende Idee. Er fertigt Damenschmuck aus metallisiertem Kunststoff und hat damit eine ertragreiche Marktlücke gefunden. Mit geliehenen 300 Dollar gelingt es ihm, seine Expansionspläne umzusetzen, die sich zu einem erfolgreichen Geschäft während des Zweiten Weltkriegs entwickelt. Hoffman bringt es zu einem kleinen Vermögen.

Maximilian Hoffman - Impulsgeber für den Mercedes-Benz 190 SL und 300 SL. Foto: Der Mercedes-Benz Typ 300 SL (W 198 I) auf dem Stand des Importeurs Maximilian Hoffman während der „International Motor Sports Show“ in New York, die am 6. Februar 1954 eröffnet wird.

Maximilian Hoffman – Impulsgeber für den Mercedes-Benz 190 SL und 300 SL. Foto: Der Mercedes-Benz Typ 300 SL (W 198 I) auf dem Stand des Importeurs Maximilian Hoffman während der „International Motor Sports Show“ in New York, die am 6. Februar 1954 eröffnet wird.

Nach dem Krieg kehrt er zu seiner alten Liebe zurück, den Automobilen, und investiert sein mit Modeschmuck verdientes Geld in den Aufbau eines Importunternehmens für europäische Automobile. Bereits im Sommer 1946 erkundet er in England, Frankreich und Italien die Möglichkeiten für den Import exklusiver Automobile in die Vereinigten Staaten. Für sein neues Unternehmen streicht er das letzte „n“ in seinem Nachnamen und verwendet gelegentlich seinen vollen Vornamen Maximilian statt des gebräuchlicheren „Max“, weil er der Meinung ist, dass dieser besser zu einem Händler ausgefallener Automobile passt. 1947 eröffnet die Hoffman Motor Company ihren ersten Ausstellungsraum in der Park Avenue in New York. Erstes und zunächst einziges Ausstellungsstück ist ein Delahaye Coupé mit einer Karosserie von Figoni et Falaschi.

Hoffman ist ein geschickter Marktbeobachter. Andere Händler nehmen die bei ihnen gekauften Importwagen zu relativ schlechten Preisen wieder in Zahlung. Hoffman geht den umgekehrten Weg: Er nimmt gut gepflegte Fahrzeuge mit einer geringen Laufleistung zum Teil mit einem höheren Preis wieder zurück, als er sie verkauft hatte. Damit schafft er den Durchbruch, weil er eine Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsbasis für die von ihm verkauften exklusiven Produkte schafft. Dies bildet die Grundlage für den erfolgreichen Import diverser europäischer Automarken, beispielsweise Jaguar, Healey, Alfa Romeo und BMW.

Maximilian Hoffman - Impulsgeber für den Mercedes-Benz 190 SL und 300 SL. Foto: Mercedes-Benz 300 SL „Flügeltürer“ (Baureihe W 198 I, 1954 bis 1957). Einige Eckdaten: Reihensechszylindermotor mit 158 kW, Benzindirekteinspritzung, Gitterrohrrahmen, Höchstgeschwindigkeit bis zu 260 km/h, gebaute Stückzahl: 1400.

Maximilian Hoffman – Impulsgeber für den Mercedes-Benz 190 SL und 300 SL. Foto: Mercedes-Benz 300 SL „Flügeltürer“ (Baureihe W 198 I, 1954 bis 1957). Einige Eckdaten: Reihensechszylindermotor mit 158 kW, Benzindirekteinspritzung, Gitterrohrrahmen, Höchstgeschwindigkeit bis zu 260 km/h, gebaute Stückzahl: 1400.

Max Hoffman ist immer auf der Suche nach attraktiven Produkten in seinem bunten Strauß europäischer Automobile. Eine schmückende Blume fehlt ihm zunächst: Mercedes-Benz. Insofern trifft es sich günstig, dass Anfang der 1950er-Jahre Wilhelm Haspel, der erste Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG nach dem Zweiten Weltkrieg, nach Möglichkeiten der Exportausweitung sucht, und da spielen die USA eine herausragende Rolle. Nach der Vorstellung der neuen Personenwagentypen Mercedes-Benz 220 und 300 im Frühjahr 1951 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main entschließt sich Haspel, die US-Aktivitäten zu forcieren. Dies führt dazu, dass Max Hoffman von September 1952 an neuer Importeur der Daimler-Benz AG für Mercedes-Benz Personenwagen in den östlichen Staaten der USA wird. Er gründet für diese Aktivitäten die „Mercedes-Benz Distributors Inc.“.

Da aber Haspel im Januar 1952 und sein Nachfolger Heinrich Wagner im Januar 1953 plötzlich gestorben sind, kommt die Aufgabe des USA-Exports auf den neuen Generaldirektor Fritz Könecke zu. Könecke erkennt die Wichtigkeit des Vorhabens und ist bereit, Hoffman alle nur mögliche Unterstützung zukommen zu lassen. Am 2. September 1953 findet in Stuttgart-Untertürkheim eine denkwürdige Sitzung des Vorstands der Daimler-Benz AG statt. Zu dieser Sitzung ist auch Hoffman geladen, sie hat die Unterstützung seiner Bemühungen für den US-Markt zum Inhalt. Hoffman schildert die Marktsituation aus seiner Sicht und moniert beispielsweise die triste Farbgestaltung der vorhandenen Fahrzeuge und das Fehlen offener Sportwagen bei Mercedes-Benz. Darauf hatte bereits Exportvorstand Arnold Wychodil im Mai 1953 hingewiesen; jetzt bekommt der Sachverhalt durch Hoffmans persönliche Intervention eine besondere Dringlichkeit. Hoffman hat zwar einen repräsentativen Showroom für Mercedes-Benz Fahrzeuge, ihm fehlen aber Fahrzeuge als Zugpferd, um die Kunden zu locken. Er betont, dass man in den USA von Mercedes-Benz, der Firma, die einen besonders guten Namen drüben habe, unter allen Umständen einen Sportwagen erwarte, der alleine die Existenzgrundlage für die Händler-Organisation geben könne.

Könecke schließt die Sitzung mit der vielsagenden Bemerkung, Herrn Hoffman jede mögliche Unterstützung zu geben, um das vielversprechend angelaufene Geschäft in den USA erfolgreich weiter zu betreiben. Und fährt fort: „Dem USA-Geschäft wollen wir unsere besondere Aufmerksamkeit widmen, und falls die Rentabilität sichergestellt ist, auch besondere Typen (Sportwagen) für USA herstellen, die zweifellos gleichzeitig auch in anderen Ländern Absatz finden werden.“ Dies ist die Geburtsstunde der beiden SL-Typen 190 SL (W 121) und 300 SL (W 198 I), die am 6. Februar 1954 auf der International Motor Sports Show in New York ihre Weltpremiere erleben – zwei Mercedes-Benz Fahrzeuge, wie es sie bis dahin nicht gegeben hat. Die SL-Reihe ist entstanden. Geduckt, zierlich, schnell, und das schon im Stand, so präsentieren sich die Debütanten der staunenden Öffentlichkeit. Wobei Max Hoffman mit dem 300 SL, der als Coupé in New York steht, nicht einverstanden ist – er will von Beginn an auch den 300 SL als Roadster haben. Er bekommt ihn drei Jahre später, 1957.

Maximilian Hoffman - Impulsgeber für den Mercedes-Benz 190 SL und 300 SL. Foto: Mercedes-Benz Typ 300 SL Roadster (W 198 II, 1957 bis 1963) aus dem Jahr 1960.

Maximilian Hoffman – Impulsgeber für den Mercedes-Benz 190 SL und 300 SL. Foto: Mercedes-Benz Typ 300 SL Roadster (W 198 II, 1957 bis 1963) aus dem Jahr 1960.

Auf Wunsch von Mercedes-Benz dehnt Hoffman seine Aktivitäten auch auf die Westküste aus. Los Angeles, San Francisco oder auch Texas sind ihm bis dahin unbekannt. „Ich war bis dahin niemals zuvor an der Westküste, nicht einmal als Tourist, gewesen“, sagt er dazu. Hoffmans Initiative ist von Erfolg gekrönt, wie einige Zahlen belegen. Der Export von Mercedes-Benz Personenwagen in die USA beträgt in den Jahren 1936 bis 1941 insgesamt 41 Fahrzeuge. Das ändert sich unter seiner Ägide deutlich.

Gesamt-Export Mercedes-Benz Pkw USA: 1952 – 253, 1953 – 423, 1954 – 639, 1955 – 2.054, 1956 – 3.109 und 1957 – 6.048 Fahrzeuge. Davon 1955 – 830, 1956 – 1.849, 1957 – 1.806 Mercedes-Benz 190 SL.

Maximilian Hoffman - Impulsgeber für den Mercedes-Benz 190 SL und 300 SL. Foto: Mercedes-Benz Vertretung in Chicago, um 1955, von Maximilian Edwin Hoffman, Mercedes-Benz Importeur für USA in den 1950er-Jahren und Initiator der Fahrzeuge 300 SL (W 198 I), 300 SL Roadster (W 198 II) und 190 SL (W 121).

Maximilian Hoffman – Impulsgeber für den Mercedes-Benz 190 SL und 300 SL. Foto: Mercedes-Benz Vertretung in Chicago, um 1955, von Maximilian Edwin Hoffman, Mercedes-Benz Importeur für USA in den 1950er-Jahren und Initiator der Fahrzeuge 300 SL (W 198 I), 300 SL Roadster (W 198 II) und 190 SL (W 121).

Am 11. April 1957 nimmt dann Studebaker-Packard aufgrund des zwischen der Daimler-Benz AG und Curtiss Wright geschlossenen Vertrags den Vertrieb von Mercedes-Benz Personenwagen und Dieselmotoren in den USA auf. Hoffman scheidet nach Abfindungszahlungen aus dem Vertrag aus, was er später in einem Gespräch mit dem Automobilhistoriker Karl Ludvigsen sehr bedauert. Er ist aber mit italienischen Automobilen und vor allem mit BMW-Fahrzeugen weiterhin sehr erfolgreich. Der Kaufmann Maximilian Hoffman stirbt am 9. August 1981.

Maximilian Hoffman - Impulsgeber für den Mercedes-Benz 190 SL und 300 SL. Foto: Mercedes-Benz 190 SL (W 121, 1955-1963) aus dem Jahr 1955.

Maximilian Hoffman – Impulsgeber für den Mercedes-Benz 190 SL und 300 SL. Foto: Mercedes-Benz 190 SL (W 121, 1955-1963) aus dem Jahr 1955.

Maximilian Hoffman - Impulsgeber für den Mercedes-Benz 190 SL und 300 SL. Foto: Mercedes-Benz Typ 300 SL Roadster (W 198 II, 1957 bis 1963) hier in der USA-Ausführung mit „Sealed Beam“-Scheinwerfern.

Maximilian Hoffman – Impulsgeber für den Mercedes-Benz 190 SL und 300 SL. Foto: Mercedes-Benz Typ 300 SL Roadster (W 198 II, 1957 bis 1963) hier in der USA-Ausführung mit „Sealed Beam“-Scheinwerfern.

Fotos: Daimler AG

 

 

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Geschrieben von Maik Jürß
Erschienen am Samstag, den 18. August 2012 um 19:23 Uhr  |  5.373 Besuche

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