Nov05
2012
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Das Märchen von der Emissionsfreiheit beim Elektroauto. Kein Auspuff am Fahrzeug bedeutet noch lange nicht: emissionsfrei. Foto: Mercedes-Benz SLS AMG Coupé Electric Drive (R197)

Das Märchen von der Emissionsfreiheit beim Elektroauto. Kein Auspuff am Fahrzeug bedeutet noch lange nicht: emissionsfrei. Foto: Mercedes-Benz SLS AMG Coupé Electric Drive (R197)

Energiewende – was für ein Wort. Und angeblich ist Sie die Rettung für unsere Umwelt. Beim Auto scheint es mit der Energiewende und der damit verbundenen Emissionsfreiheit recht einfach. Glaubt man den zumindest Versprechungen der Hersteller. Grundsätzlich ist alles klar: statt Benziner oder Diesel muss es ein Elektroauto sein, denn die produzieren ja keine Abgase. Die fahren ja mit Strom und der kommt ja bekanntlich aus der Steckdose.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht! Irgendwo muss der Strom für´s Fahren ja herkommen. In Deutschland wird der Strom in Kraftwerken produziert und die sind, man ahnt es, genau: richtige Dreckschleudern. In Hamburg zu Beispiel produziert Vattenfall Kohlestrom und dazu pro Kilowattstunde 502 Gramm CO2-Emissionen. EnBW schafft mit einem Atomkraftwerk im Südwesten der Republik 327 Gramm Abgase pro Kilowattstunde. Schmutzig wird es in NRW beim Erzeuger EnBW: dank Kohle werden hier 654 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde produziert.

Klar, es gibt ja auch noch den sogenannten Ökostrom – Windkraft und Solarenergie. Da bräuchte der clevere Autofahrer für sein Elektroauto doch nur einen Ökostromvertrag abschließen und fertig, oder? Leider nein. Würden alle Deutschen jetzt einen Ökostromvertrag abschließen, dann würde sich nichts ändern. Die Emissionen bei der Stromerzeugung blieben exakt gleich.

Es sollte doch aber möglich sein, mit einem Ökostromvertrag und einem Elektroauto sich von jeglicher Kohlendioxidlast zu befreien? Das wird leider auch nichts. Der Hersteller des Fisker Karma will dem Verbraucher zwar weiß machen, dass der CO2-Ausstoß bei Null liegt, doch die Wahrheit sieht Anders aus.

Zwar produziert das Fahrzeug selbst keine Emissionen mehr selbst, aber spätestens wenn sich der Wagen an der Ladestation befindet, dann macht auch er Dreck. Von den beworbenen null Gramm CO2-Ausstoß werden dann 162 Gramm pro Kilometer*. Dieser Wert zaubert dem Fahrer eines alten Diesel nur ein müdes Lächeln ins Gesicht.

Wie kann es denn sein, dass Herstellerangaben von der Realität so abweichen? Einfache Antwort: simple Schönrechnerei der Emissionswerte. Das Elektroauto selbst produziert keine Emissionen, aber das Kraftwerk schon. Das Elektroauto allein wird also nicht unsere Umwelt retten, denn die Umwelt interessiert es nicht, wer den Dreck an welcher Stelle produziert, sondern nur die Gesamtemissionen.

Damit das Märchen von der Emissionsfreiheit doch noch das berühmte gute Ende findet, muss noch Einiges verbessert werden. Die Kraftwerke müssen sauberer werden und die Autoindustrie muss mit der Schönrechnerei der Emissionswerte aufhören.

Foto: Daimler AG 

* Berücksichtigt man den Energieaufwand zur Kraftstoffherstellung nach der EU-JRC Studie, so ergibt sich eine Steigerung der Emissionswerte um 19 Prozent in der gesamten Verbrennungsenergie-Kette (Well-to-wheel). Das ergibt eine reale Energiebilanz, berechnet nach deutschem Strommix und Well-to-wheel-Analyse, für den Fisker Karma von 162 g/km CO2.

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Geschrieben von Maik Jürß
Erschienen am Montag, den 05. November 2012 um 00:41 Uhr  |  2.189 Besuche

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