Dez09
2019
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Wer achtsam und vorausschauend fährt und bereit ist, seinen Fahrstil überwachen zu lassen, wird von Kfz-Versicherern mit günstigeren Prämien belohnt. Diese sogenannten Telematik-Tarife haben aber auch Nachteile.

Bei der Berechnung der Prämie für die Kfz-Versicherung, wie zum Beispiel die der Autoversicherung DA Direkt, spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, zum Beispiel der Fahrzeugtyp, der Zulassungsort und die Anzahl der unfallfrei gefahrenen Jahre. Viele Aspekte werden anhand von Statistiken mit kalkuliert: Wie oft wird dieses Automodell gestohlen? Wie häufig sind die Bewohner einer bestimmten Region in Unfälle verwickelt? Wie viele verschiedene Personen sitzen hinter dem Steuer – wo steht das Auto nachts, …. Was dagegen bisher kaum eine Rolle spielte, war der individuelle Fahrstil. Doch genau der ist oft darüber ausschlaggebend, wie hoch das eigene Unfallrisiko ist.

Immer mehr Kfz-Versicherer bieten ihren Kunden Telematik-Tarife an. Dabei überwacht die Versicherung durch eine kleine Blackbox (Telematik-Kit, dessen Sensormodul einfach in den Zigarettenanzünder oder die Diagnoseschnittstelle des Autos gesteckt wird) oder durch eine App auf dem Smartphone des Fahrers das Fahrverhalten. Die Daten werden an die Versicherung übermittelt und daraus ein Punktwert (Score) berechnet. Wichtig bei der Smartphone-Variante ist natürlich, dass man das Smartphone bei der Fahrt dabei hat, es eingeschaltet und mit dem Internet verbunden ist, ggf. muss auch die entsprechende App aktiv oder sogar im Vordergrund sein. Kann das Smartphone die Fahrt nicht erfassen, wird diese auch nicht bewertet. Anders bei einer Festinstallation: hier fließt jede Fahrt in die Bewertung ein, auch solche, die an anderer Fahrer durchführt.

Hier setzen die Telematik-Tarife an: Autofahrer, die ihr Fahrverhalten und ihre Fahrdaten offen legen, bekommen für risikoarmes Fahren Kostenersparnisse bei der Kfz-Versicherung. Insbesondere Führerschein-Neulinge und junge Fahrer können auf diese Weise Beiträge bei der Kfz-Versicherung sparen, denn sie starten in der Regel mit sehr hohen Prämien. Und sie erhalten gleich eine Bewertung ihres Fahrstils und können diese somit noch „formen“. Doch Vorsicht: Ein Telematik-Tarif bedeutet aber auch, dass die Versicherung das Verhalten genau aufzeichnet. Und man muss ggf. draufzahlen, wenn der Versicherung das Fahrverhalten auffällt.

Wie genau funktioniert nun das Telematik-System? Mittels Telematik können Versicherungsunternehmen Daten zur Fahrweise ihrer Kunden sammeln und auswerten. Das Fahrzeug wird über GPS verfolgt und es werden ununterbrochen Fahrdaten protokolliert, wie Geschwindigkeit, Beschleunigungs- und Bremsverhalten oder auch Kurvenfahrverhalten. Die gesammelten Informationen sendet die Telematik-Box bzw. -App dann über das Mobilfunknetz an die Kfz-Versicherung. Jeder der genannten Faktoren wird mit Punkten bewertet, aus denen dann ein Gesamt-Score berechnet wird. Darüber hinaus werden noch weitere Daten aufgezeichnet, wie etwa Zeit, Dauer, Distanz und Route der Fahrstrecke – alles in allem wird der Fahrer also zum gläsernen Kunden. Die genaue Gewichtung der einzelnen Faktoren variiert zwischen Versicherungen und Tarifen.

Die Vorteile von Telematik-Tarifen liegen auf der Hand: Die Versicherung kann das Fahrverhalten seiner Kunden überwachen, Verhaltensprofile erstellen, schlechte Risiken identifizieren und dementsprechend „bestrafen“, sowie rücksichtsvolles und vorausschauendes Fahren durch Rabatte „belohnen“. Wer als Autofahrer also bereit ist, sein Fahrverhalten offen zulegen, wird bei Telematik-Tarifen für achtsames Fahren belohnt. Denn defensiven Autofahrern versprechen die Versicherungen im Gegenzug für die Daten einen Nachlass auf die Versicherungsprämie.

Dennoch sollte man sich vor Abschluss eines Telematik-Tarifs nicht von der Aussage, 30% einzusparen, blenden lassen. Denn diesen Rabatt erkauft man sich mit seinem Bewegungsprofil und der kompletten Übertragung seiner Fahrdaten an die Versicherung, denn alle Daten werden aufgezeichnet. Möchte man zum Beispiel einen kleinen Unfall oder Rempler nicht über die Versicherung abwickeln, weiß diese womöglich dennoch darüber Bescheid und kann diesen kleinen Kratzer als Schadensfall in die Beitragsberechnung einfließen lassen. Aber auch das Wo-fahre-ich kann für die Versicherung interessant sein. Ist der Fahrer überwiegend in der Rushhour in der Großstadt unterwegs, ist er unfallgefährdeter als der Sonntags-Nachmittags-Überlandfahrer. Am Ende zahlt man womöglich mehr …

(Foto: Daimler AG)

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Geschrieben von Oliver Hartwich
Erschienen am Montag, den 09. Dezember 2019 um 13:41 Uhr  |  1.249 Besuche

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