Jun14
2011
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Carl Benz (25. November 1844 - 4. April 1929)

Im Jahr des 125. Geburts­tags des Auto­mo­bils ist jetzt eine wich­tige Lücke in der Lebens­ge­schichte von Carl Benz und damit auch in der Unter­neh­mens­ge­schichte der Daim­ler AG geschlos­sen wor­den: Nach neu­esten his­to­ri­schen Erkennt­nis­sen ist davon aus­zu­ge­hen, dass der Erfin­der des Auto­mo­bils in einem Gast­haus in der Rhein­straße 22 des Karls­ru­her Stadt­teils Mühl­burg gebo­ren wur­de. Seine Geburts­stätte war bis­her nicht bekannt. Das Haus exis­tiert aller­dings nicht mehr – es wurde in den 1950­er-Jah­ren zuguns­ten einer Ver­brei­terung der Rhein­straße abge­ris­sen. Heute steht an der Stelle ein Waren­haus mit zuge­hö­ri­gem Park­platz. Geplant ist, in unmit­tel­ba­rer Nähe eine kleine Gedenk­stätte ein­zu­rich­ten, die an den Erfin­der erin­nert.

Carl Benz wurde am 25. Novem­ber 1844 gebo­ren. Im Kir­chen­buch ist er mit dem ein­ge­deutsch­ten Nach­na­men sei­ner Mut­ter Jose­phine Vail­lant ver­zeich­net: Carl Fried­rich Michael Wailand. Diese hei­ra­tet erst ein Jahr spä­ter, am 16. Novem­ber 1845, in der katho­li­schen Stadt­kir­che St. Ste­phan den ver­mut­li­chen Vater Johann Georg Benz. Sie arbei­tete von 1833 bis zwei Monate vor der Geburt ihres Soh­nes als Dienst­magd in Karls­ru­he.

Die jet­zige Fak­ten­lage ergibt sich aus einer gründ­li­chen neuen Recher­che der Stadt Karls­ru­he. Der His­to­ri­ker Dr. Peter Pretsch, Lei­ter des dor­ti­gen Stadt­mu­se­ums in der Abtei­lung Stadt­ar­chiv und His­to­ri­sche Muse­en, unter­suchte dazu die dama­li­gen Kir­chen­bü­cher. Stück für Stück ergab sich über die Namen der Tauf­zeu­gen eine Hin­weis­ket­te: Der Schumachermeister Karl Axtmann und der „Bür­ger, Gastwirth und Bier­brauer“ Michael Kra­mer sind dort ein­ge­tra­gen. Axtmann war ein Ver­wand­ter, denn die Urgroß­mut­ter von Carl Benz väter­li­cher­seits war eine gebo­rene Axtmann. Man geht davon aus, dass Axtmann der hoch­schwan­ge­ren Jose­phine Vail­lant das Quar­tier im Michael Kra­mer gehö­ren­den Gast­haus mit der Adresse Rheinstraße 22 ver­schaff­te. Da damals Haus­ge­bur­ten üblich waren, liegt der Schluss nahe, dass Carl Benz dort gebo­ren wur­de. Das Kramersche Wirts­haus erhielt spä­ter den Namen „Stadt Karls­ruhe“.

Karlsruhe, Stadtteil Mühlburg, Aquarell des Straßenzuges Rheinstraße. An der Hausnummer 22 stand früher das vermutliche Geburtshaus von Carl Benz. Bildquelle: Stadtarchiv Karlsruhe.

Jose­phine und Johann Georg Benz zogen nach der Hoch­zeit mit ihrem Kind nach Karls­ruhe in die Erb­prin­zen­straße 13 – auch das gehört zu den neuen Erkennt­nis­sen, in die­sem Fall mit­hilfe des Adressbuches von 1846. Benz arbeitete als Lokomotivführer bei der badischen Eisenbahn. Auf dem offenen Führerstand der damaligen Dampfloks zog er sich eine Lungenentzündung zu, an der er im Sommer 1846 verstarb – knapp zwei Jahre nach der Geburt seines Sohnes. Seine verwitwete Ehefrau vergab dann in Karlsruhe Kost und Logis an Studenten des Polytechnikums, um das Studium ihres Sohnes zu finanzieren.

Gasthaus „Stadt Karlsruhe“ in Karlsruhe, Stadtteil Mühlburg, Rheinstraße 22, vermutliches Geburtshaus von Carl Benz. Bildquelle: Stadtarchiv Karlsruhe.

Carl Benz besuchte zunächst das naturwissenschaftlich orientierte Lyzeum in Karlsruhe. Die Aufnahmeprüfung am Polytechnikum bestand er im Alter von 15 Jahren am 30. September 1860. Vier Jahre später beendete er am 9. Juli 1864 mit Erfolg die Ausbildung. Anschließend war er als Mechaniker tätig. Nach Mannheim zog er aus beruflichen Gründen um. Am 20. Juli 1872 heiratete er Bertha Ringer. Sein erstes Benzinauto, ein dreirädriges Fahrzeug, baute er im Jahr 1885. Es wurde am 29. Januar 1886 zum Patent angemeldet (DRP Nr. 37.435); die Patentschrift gilt als Geburtsurkunde des Automobils. Carl Benz starb am 4. April 1929 in Ladenburg. Somit hat er den Siegeszug seiner Erfindung noch miterlebt – im Unterschied zu Gottlieb Daimler, der bereits im Jahr 1900 starb.

(Abbildungen:  Daimler AG)

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Geschrieben von Oliver Hartwich
Erschienen am Dienstag, den 14. Juni 2011 um 10:29 Uhr  |  5.144 Besuche

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