Mai27
2011

COMAND-Displaytausch am NTG 2.5

Veröffentlicht in Bertha 3 Kommentare »
Geschrieben 27. Mai 2011 von
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Zum Tausch des Displays muss zuerst die COMAND-Einheit ausgebaut werden

Eine unschöne Kleinigkeit, die ich an meinem Auto vom Vorbesitzer vererbt bekommen habe, waren zwei große Kratzer auf dem COMAND-Display. Diese Kratzer auf dem Display ärgerten mich von Anfang an, da sie auch extrem sichtgünstig im oberen linken Bereich lagen, also bei jeder Fahrt ins Auge fielen (vor allem im Sommer, wenn die Sonne auf das Display scheint). So machte ich mir auch sofort Gedanken, was man dagegen tun kann. Das Problem ist die aufgedampfte Anti-Reflexionsschicht, die für eine Entspiegelung des Displays sorgt. Leider ist diese Schicht extrem empfindlich, was mögliche Reinigungsversuche angeht. Eine Reinigung mit einem Tuch reicht unter Umständen bereits aus, um diese Schicht zu beschädigen. Und genau das hat wohl der Vorbesitzer versucht. Besonders stark fallen solche Kratzer bei Sonneneinstrahlung auf, da hier nun das Licht an der verkratzten Stelle direkt auf das Displayglas trifft und reflektiert wird.

Am nahe liegendsten ist natürlich ein Displytausch. Doch bietet Mercedes das Display nicht als Einzelteil an. Und auch über andere Kanäle bot sich (zu diesem Zeitpunkt) keine Möglichkeit, an ein einzelnes Display zu gelangen. Eine Möglichkeit wäre es, das Display auszubauen und anhand der Typenspezifikation direkt den Hersteller des Panels zu kontaktieren. Aber so verzweifelt war meine Situation dann auch nicht.

Da ich nicht der einzige bin, der dieses Kratzerproblem hat, findet man in diversen Internetforen auch einige Ansätze zur Lösung. Für mich fündig wurde ich bei AMG: Hier wurde eine Auto-Politur empfohlen, mit der man die beschädigte Antireflexschicht problemlos entfernen kann. Empfohlen wurde die High-Gloss-Finish Politur von Makra. Vermutlich kann man hier auch eine beliebige Politur oder gar eine der unzähligen Handydisplay-Politurpasten verwenden, aber ich wollte hier schon auf Nummer sicher gehen und entsprechende Erfahrungen nutzen und mir auch nicht noch das Displayglas zerschmirgeln. Wichtig ist daher auf jeden Fall, dass man eine Politur mit einem geringen Schleifkörper-Anteil verwendet. Bei eBay wurde ich dann fündig und habe die kleinste angebotene Flasche bestellt. Mit einem Mikrofasertuch ging es dann der alten Antireflexschicht an den Kragen.

Makra High-Gloss-Finish Politur: Nicht nur für die Lackpflege bestens geeignet.

Als die Schicht dann entfernt war und das eigentliche Display auf Hochglanz poliert war, kam Schritt zwei. Es musste ein Ersatz für die Antireflex-Schicht gefunden werden. Hier bietet sich eine Displayfolie an. 3M bietet passgenaue Folien für diverse COMAND-Displays an, so auch für das des NTG 2.5. Das das Display ja komplett plan ist, war das blasenfreie Anbringen dieser Folie kein Problem und ein Ausbauen des Bildschirms nicht notwendig. Da die Folie sehr passgenau geschnitten ist, fällt diese nach dem Anbringen nicht auf – man kann auch beim zweiten Hinschauen keinen Unterschied zum „Original“ erkennen. Lediglich in Ecken (aufgrund der abgerundeten Ecken der Folie) und an den Kanten erkennt man bei genauem Hinsehen die Schutzfolie. Auch im Betrieb fällt die Folie nicht auf und bietet einen ebenbürtigen Reflexionsschutz bei einfallendem Sonnenlicht.

Nun bot sich mir vor einigen Wochen über Bekannte im Werk Sindelfingen die Möglichkeit, ein gebrauchtes aber sehr gut erhaltenes Austauschdisplay zu bekommen. Und irgendwie reizte mich ein solcher Displaytausch schon, zumal mir fachmännische Hilfe angeboten wurde. Also machten wir uns am Osterwochenende ans Werk.

Bewaffnet mit den entsprechenden WIS-Ausdrucken, ging es zunächst daran, die COMAND-Einheit aus dem Instrumententräger auszubauen. Hierzu muss man sich von unten nach oben vorarbeiten, es gibt also keine Ausbauwerkzeuge wie bei Autoradios. Nach dem Ausbau wurde mir auch schnell klar, warum das so ist: Um das schwergewichtige COMAND fest und sicher zu halten, sind mehrere Schrauben notwendig, die die COMAND-Einheit fest mit der Mittelkonsole verbinden. Schließlich ist das COMAND mehr als nur ein Autoradio oder Navigationssystem. Eigentlich hat man hier einen kompletten Minicomputer vor sich, inclusive DVD-Wechsler (der beim NTG 2.5 im COMAND integriert ist), 2,5″-Festplatte und sämtlicher notwendiger Mikroarchitektur.

Doch weiter mit dem Ausbau. Zuerst muss man die Schaltkulisse, also die Abdeckung um den Schalthebel des Getriebes, vorne etwas anheben und aus seiner Verankerung heben. Diese Abdeckung ist nur eingeklipst und kann vorne einfach nach oben gezogen werden. Daraufhin muss der das Aschenbecherfach inclusive 12V-Steckdose („Zigarettenanzünder“) und Klappe entfernt werden. Das gesamte Modul ist ebenfalls nur eingesteckt und kann nach vorne heraus gezogen werden. Anschließend die hinten eingesteckten Kabel entfernen. Das metallische Gehäuse unter dem Ascher beinhaltet den Crash- und Airbagsensor.

Als nächster Schritt wird die Schalterleiste zwischen COMAND und Aschenbecherfach entfernt. Diese ist von unten mit Schrauben fixiert. Auch hier sind hinten Kabel eingesteckt. Bei Herausziehen sollte man aber Vorsicht walten lassen, da sich hier Antennen angebracht sind, in meinem Fall befindet sich an der Hinterseite die Bluetooth-Antenne sowie eines der Empfangsmodule des Keyless-Go. Nun kann man die COMAND-Einheit ausbauen. Diese ist, wie schon erwähnt, mit langen Schrauben von unten fixiert. Nach dem Entfernen dieser Schrauben lässt sich die Einheit komplett nach vorne herausziehen. Auch hier befinden sich an der Rückseite einige Kabelbunde, die aber alle farblich zugeordnet sind.

Nach diesen Arbeiten im Auto beginnen nun die Arbeiten am COMAND. Um das Displaypanel freizulegen, muss man sich diesem von innen nach außen nähern. Dazu kann man die gesamte vordere Bedieneinheit samt Display vom restlichen COMAND-Body ablösen. Diese ist über mehrere Steckverbindungen auf dem Board mit dem Body verbunden. Als nächstes entfernt man das Schutzblech, was die vordere Platine schützt. Diese beinhaltet auch die beiden großen Bedienelemente, die sich an den unteren Ecken des COMANDs („ON“ und „OK“) befinden. Bevor man diese Platine aber entfernen kann, muss das Lautstärke-Drehrad, was auf dem ON-Taster aufgesteckt ist, entfernt werden. Nun kann die Platine abgeschraubt und vorsichtig ausgebaut werden, hier auf die aufgesteckten Kabel achten.

Nun kann man das Display herausnehmen und die Steckverbindungen lösen. Etwas Vorsicht ist bei dem Flachbandkabel geboten. Vor dem Einbau des neuen Displays wurde das noch intensiv (aber vorsichtig) geputzt. Der Zusammenbau des COMANDs erfolgt einfach in umgekehrter Reihenfolge, ebenso der Einbau des Geräts ins Fahrzeug. Auch das Anschließen der Kabelsteckverbindungen der einzelnen Module ist durch die Farbcodierung kein Problem.

STAR DIAGNOSIS

Zu guter letzt wurde noch die Diagnoseeinheit angeschlossen, um einen Blick in den Fehlerspeicher zu werfen. Neben einigen alten, aber harmlosen Einträgen haben sich nun durch den COMAND-Ausbau einige wenn auch ebenso harmlose Einträge abgespeichert. Nachdem der Fehlerspeicher komplett gelöscht wurde, war die Arbeit zu aller Zufriedenheit beendet.

Vielleicht noch zwei technische Anmerkungen zu verbauten Komponenten im COMAND. Das erwähnte Displaypanel kommt von Toshiba und ist ein 6,5-Zoll LCD-Display vom Typ LTA065B0F0F. Interessant ist auch der Blick auf die verwendete Festplatte. Diese kommt ebenfalls von Toshiba und ist eine sogenannte In-Car-Festplatte. Diese 2,5-Zoll Festplatte sieht auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Notebook-Festplatte aus, erst ein Blick unter das Gehäuse würde die Unterschiede aufzeigen: Die Toshiba MK8050GAC stammt aus einer Modellreihe, die speziell für den Einbau in Fahrzeugen konzipiert ist. Die 40 und 80 GByte großen HDs sind vergleichsweise unempfindlich gegen Stöße und Temperaturschwankungen und erweisen sich als harte Jungs:

Laut Hersteller halten sie nicht nur Einsätze in Höhen bis zu 5500 Metern aus, sie widerstehen auch Temperaturen zwischen minus 30 und plus 85 Grad Celsius. Auch Stoßfestigkeit attestiert Toshiba den Modellen, Beschleunigungen von bis zu 300 G sollen sie klaglos aushalten. Für die Robustheit sind laut Toshiba unter anderem ein verbesserter Spindle-Motor sowie diverse Sicherheitsfunktionen verantwortlich. Der Lesekopf soll sich automatisch Druckänderungen anpassen und ein Beschleunigungs-Sensor hält ihn auf der Spur bei Vibrationen und Stößen. Toshiba ist nach eigenen Angaben bereits jetzt Marktführer bei Festplatten für Automobile, und auf diesem Markt lässt sich noch viel Geld verdienen. Insbesondere bei der Navigationstechnik verdrängt die Festplatte zunehmend Lösungen, die auf DVDs basieren, so auch im NTG 2.5.

Zum Schluss noch ein prinzipieller Hinweis zur Reinigung des COMAND-Displays. Eigentlich gilt hier nur eine Devise: Finger weg. Die aufgedampfte Anti-Reflex-Schicht ist so empfindlich, dass man eigentlich mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Wenn das Panel dennoch gesäubert werden muss, dann tut man dies am besten mit einem speziellen Fensterputztuch, aber nicht die Lederversion sondern das Teil aus Microfaser. Bei großen Verschmutzungen, die man trocken nicht entfernen kann, darf man auch mal zu Fensterputzmittel greifen und den Lappen damit etwas befeuchten (auf gar keinen Fall die Putzflüssigkeit direkt auf das Display sprühen). Ein normales Microfasertuch sollte man nicht einsetzen (außer zum schnellen Abstauben), da dieses wir feines Schmirgelpapier auf die Schicht wirkt. Und wenn man dann doch Kratzer in der Anti-Reflex-Schicht hat, was sich mit zunehmenden Alter des Fahrzeuges nicht vermeiden lassen wird, dann muss man diese einfach hinnehmen und nicht versuchen, diese „herauszuputzen“ oder wegzupolieren. Das geht nicht und macht es nur noch schlimmer. Oder eben die gesamte Schicht entfernen und zu einer Displayfolie greifen.

Das ausgebaute Display (mit Folie) steht momentan zum Verkauf. Details gibt es hier.

 

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Geschrieben von Oliver Hartwich
Erschienen am Freitag, den 27. Mai 2011 um 10:00 Uhr  |  32.519 Besuche

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3 Kommentare zum Beitrag “COMAND-Displaytausch am NTG 2.5”

  1. 1
    Jens schreibt:

    Hi Oliver..

    sag mal, wie bekomme ich den Drehregler ab?!

  2. 2
    Oliver schreibt:

    Uff, so genau weiss ich das gar nicht mehr. Wir haben den mit einem Kunststoffspatel vorsichtig hochgehebelt. Der Ring ist aber als Ersatzteil einzeln beim Freundlichen Teileonkel zu bekommen – für den Fall, dass er beim Hochhebeln dennoch kaputtgeht. Ich hatte es damals aber geschafft. Du siehst den Regler auf dem vierten Foto in der Galerie oben liegen („Danach kann man diese …“). Ich habe leider keine weiteren Fotos, wo man weitere Details erkennen könnte.

  3. 3
    Jens schreibt:

    Hat geklappt – vielen Dank!

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