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2016

Kauf auf Pump: Finanzierung ist in

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Geschrieben 20. September 2016 von
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Die Mercedes-Benz Bank bietet attraktive Finanzdienstleistungen

Die Anschaffung eines neuen Fahrzeugs ist eine große Investition. Wer nicht das nötige Kleingeld auf der Kante hat, wird eine Finanzierung seines neuen Traumwagen in Erwägung ziehen. Als unsere Großeltern vor Jahrzehnten ihren erstes eigenes Auto kauften, stand eines fest: Das neue Gefährt wird bar bezahlt. Es wurde lange gespart und in dieser Zeit auf einiges verzichtet – und als dann der Tag gekommen war, wurde das neue Auto stolz beim Händler abgeholt. Für das Auto einen Kredit aufnehmen? Auf gar keinen Fall. Doch diese antiquierte Einstellung ist längst überholt, Finanzierung ist in.

Ein Autokredit unterscheidet sich in einigen Punkten aber von gewöhnlichen Ratenkrediten. So werden im Vorfeld oft Marke und Modell des Wunschfahrzeugs sowie die Erstzulassung abgefragt, bei Gebrauchtwagen ist auch der Kilometerstand relevant. Bei einem Kreditantrag wird nicht ohne Grund nach dem Verwendungszweck gefragt: Wer explizit angibt, das Geld für ein Auto zu verwenden, genießt den Vorteil, dass das kreditgebende Institut das Auto als Teilsicherheit ansieht. Durch das geminderte Ausfallrisiko kann sich der Kreditnehmer über niedrigere Monatsraten freuen und erhält wohl eher den gewünschten Geldbetrag als bei einem normalen Verbraucherkredit.

Bar oder Rate ?

Doch aktuell scheint sich dieser Trend in Richtung Finanzierung wieder umzukehren: Lag der Anteil der Barzahler 2003 noch bei 64 Prozent, ging der Anteil laut der Aral Studie „Trends beim Autokauf 2015“ bis 2013 auf 34 Prozent zurück. Im letzten Jahr wurden dann wieder 53 Prozent der Kaufverträge im Autohaus mit Bargeld beglichen. Das ist vor allem dahingehend interessent, da der durchschnittliche Neuwagenpreis immer weiter steigt: lag der Listenpreis eines Neuwagens 2012 im Schnitt bei 26.446 Euro, ist dieser 2015 auf 28.153 Euro gestiegen. Zum Vergleich: 1980 waren es nicht viel mehr als 8000 Euro.

Diese Umverteilung in der Bezahlung geht ausschließlich zu Lasten der Finanzierung: Der Anteil verringert sich von 56 Prozent im Jahr 2013 auf 30 Prozent im Jahr 2015, während der Anteil der Leasinginteressenten bei zehn Prozent stagniert. Groß sind die Unterschiede bei der bevorzugten Bezahlungsart in den Altersgruppen: 60 Prozent der über 40-Jährigen wollen lieber bar bezahlen und nur 23 Prozent ein Finanzierungsangebot nutzen, bei den bis 39-jährigen Autokäufern wollen (oder können) nur 44 Prozent bar zahlen und 38 Prozent nehmen lieber einen Kredit fürs neue Gefährt auf.

Eigentlich sollte man aufgrund der momentanen Niedrigzinsphase meinen, dass mehr Autokäufer lieber zur Ratenzahlung greifen. Da sich die Banken günstig wie nie Geld beschaffen können, können sie es auch günstiger an ihre Kunden verleihen. Niedrige Zinsen machen die Autofinanzierung also immer attraktiver. Hinzu kommt, dass der Markt immer umkämpfter wird, dafür sorgen vor allem die Autobanken. Längst finanzieren die hauseigenen Finanzinstitute von Daimler und co. einen großen Teil der Flotte. Die Mercedes-Benz-Bank beispielsweise finanziert mittlerweile jedes zweite Fahrzeug von Daimler, ähnlich ist es bei VW oder BMW. Insgesamt stieg das Vertragsvolumen der Autobanken um zwei Prozent auf 90 Milliarden Euro – obwohl der Automobilmarkt insgesamt um vier Prozent sank.

Das Spiel für die Autobanken ist hier relativ simpel: Viele von ihnen sammeln Einlagen in Form von Tagesgeld bei ihren Kunden. Zwar zahlen sie dafür oft höhere Zinsen als der Durchschnitt, dafür sind aber auch die Zuflüsse entsprechend hoch, das Geld kann mit der entsprechenden Marge weiterverliehen werden. Für Autokäufer ist das erstmal ein gutes Zeichen. Je mehr Wettbewerb, desto günstiger wird die Finanzierung des eigenen Fahrzeugs. Allerdings wird auch der Vergleich zwischen den einzelnen Angeboten für Laien immer schwieriger – und die Fragen immer zahlreicher. Hier helfen im Internet unabhängige Vergleichsportale für Autokredite, so kann man solche Kredite für den eigenen Anspruch gut auf Netzsieger.de vergleichen.

Cash ist am günstigsten

Dennoch steht fest: Cash ist meist am günstigsten: Zwar könnte man das Geld, das man bei der Einmalzahlung in bar auf einen Schlag auf den Tisch legt, bei Zahlung per Kredit zwischenzeitlich am Kapitalmarkt anlegen und damit Zinsen erzielen. Problem: Momentan sind die Renditen bei der klassischen Geldanlage extrem mager. Wer attraktive Zinsen einfahren will, muss ein gewisses Risiko eingehen. Finanzierungsexperten raten daher zur Barzahlung, wenn die möglich ist.

Außerdem werden sehr oft bei Barzahlung beim Neuwagenkauf starke Rabatte eingeräumt. Solche Preisnachlässe auf den Listenpreis werden bei Finanzierungsmodellen meist nicht gewährt. Außerdem verführen die günstigen Finanzierungskonditionen gerne zum Kauf eines Autos, welches man sich womöglich gar nicht leisten kann. Die Kaufentscheidung und auch die Wahl der Bezahlung sollte daher langfristig durchdacht sein.

Ist die Entscheidung zu Gunsten einer Finanzierung gefallen, bleibt die Abwägung zwischen den verschiedenen Finanzierungsangeboten und Leasing – Letzteres war früher vor allem ein Modell für die Geschäftswagenflotte von Firmen und Konzernen. Mittlerweile nutzen es aber immer mehr Privatkunden. Gerade junge Leute, die sich nicht zu lange an ein Auto binden und möglichst wenig Ärger haben wollen.

Grundsätzlich gilt Leasing als etwas teurer als die Finanzierung per Kredit. Allerdings versucht die Branche oft, dieses Manko mit günstigen Angeboten zu überdecken. Häufig gelten diese allerdings nur für eine relativ geringe Kilometerleistung. Experten warnen aber davor, diese zu unterschätzen. 10.000 Kilometer im Jahr klingen zunächst viel, sind aber schnell verfahren. Hinzu kommen noch weitere Aspekte, die beim Leasing beachtet werden müssen.

Drei Wege

Die Banken haben auf die Entwicklung mit neuen Finanzierungsmodellen reagiert, die sogenannte Drei-Wege-Finanzierung. Sie ist eine Mischung aus Leasing, Ratenfinanzierung und Kauf. Zunächst leistet der Käufer eine Anzahlung, bei Neuwagen liegt die normalerweise bei rund 20 Prozent des Neupreises. Danach müssen monatliche Raten gezahlt werden, ähnlich wie bei der normalen Ratenfinanzierung. Anders als beim Raten-Klassiker geht das Auto in der Schlussphase der Drei-Wege-Variante aber nicht zwingend in den Besitz des Fahrers über. Am Ende der Kreditlaufzeit entscheidet sich der Kunde zwischen drei Varianten: Entweder er kauft das Auto mit einer Schlussrate, finanziert die Schlussrate weiter oder gibt das Auto einfach zurück.

Letztlich ist die Entscheidung eine Typenfrage. Wer sein Auto am Ende der Finanzierung auch weiterhin in der Garage haben möchte, der müsse finanzieren. Wer lieber mieten möchte und kein Problem mit den Auflagen habe und alle drei Jahre ein neues Auto fahren will, kann sich für Leasing entscheiden. Die Mercedes-Benz Bank erklärt, sie sehe einen Trend zu „Nutzen statt besitzen“. Zudem gehe die Entwicklung hinzu Rundum-Sorglos-Paketen, die neben der Leasingrate auch Versicherung, Service- und Wartungspakete beinhalten.

Allgemein gilt: In der Regel fahren Privatleute mit einer Finanzierung besser als mit Leasing. Gleichzeitig gilt: Wer sowieso eine Auto kaufen will, der darf sich über die günstigen Finanzierungskonditionen freuen. Sich durch die niedrigen Zinsen zum Kauf eines (zu) teuren Autos verleiten zu lassen, ist aber riskant und kann langfristig ins Auge gehen.

(Foto: Daimler AG)

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Geschrieben von Oliver Hartwich
Erschienen am Dienstag, den 20. September 2016 um 08:54 Uhr  |  834 Besuche

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