Mercedes-Benz wird ab der Saison 2010 mit einem eigenen Team in der Formel 1-Weltmeisterschaft an den Start gehen. Zudem haben die Daimler AG und die McLaren Group die bisherige Form ihrer Zusammenarbeit mit Wirkung zum 13. November 2009 geändert. Das gab die Daimler AG heute bekannt. Daimler übernimmt die Mehrheit am Formel-1 Team Brawn GP und startet 2010 mit Nico Rosberg als Team Mercedes Grand Prix.
Bereits seit mehreren Wochen wird darüber spekuliert, dass Mercedes-Benz intensiv mit einem Einstieg beim Weltmeisterteam Brawn GP liebäugelt (wir berichteten). Heute mittag wurde dieser Schritt nun vom Daimler-Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche und Mercedes-Sportchef Norbert Haug bekannt gegeben: Mercedes-Benz steigt als Mehrheitseigentümer bei Brawn-GP ein und startet ab 2010 mit einem eigenen Team in der Formel-1.
Daimler wird gemeinsam mit Aabar Investments PJSC 75,1 Prozent von Brawn GP übernehmen, wobei Daimler 45,1 Prozent und Aabar 30 Prozent der Anteile erwirbt. Die restlichen 24,9 Prozent verbleiben bei den bisherigen Anteilseignern. Aabar ist mit 9,1 Prozent größter Einzelaktionär der Daimler AG. Damit übernehmen die Stuttgarter die alleinige Kontrolle über das Team von Ross Brawn. Brawn wird Teamchef bleiben, Nico Rosberg als Fahrer an Bord kommen. Der junge Deutsche hat seinen Vertrag wohl bereits unterschrieben. Offiziell bekannt gegeben wird die Fahrerpaarung aber erst, wenn alles unter Dach und Fach ist. So steht derzeit auch die Bestätigung des Rosberg-Vertrags noch aus.
Das seit 1995 bestehende McLaren Mercedes Team absolvierte 2009 seine 15. gemeinsame Formel-1-Saison. Offiziell wollen Mercedes-Benz und McLaren auch weiterhin partnerschaftlich zusammenarbeiten und Mercedes-Benz will das britische Team aus Woking auch in Zukunft mit Motoren beliefern, ein Angebot bestünde bis ins Jahr 2015. Doch hinter den Kulissen wird spekuliert, dass Ron Dennis den Aufbau einer eigenen Motorenabteilung plane. Gerüchte, wonach Dennis das die Motorenentwicklung von BMW aufkaufen will,wurden bislang stets dementiert.
Im Gegensatz zu McLaren, wo Mercedes als 40-Prozent-Anteilseigner zwar größter Partner ist aber nicht die Anteilsmehrheit und damit die absolute Kontrolle hatte, erhofft sich der deutsche Autobauer, seine Vorstellungen von einem Formel-1-Team nun uneingeschränkt umsetzen zu können. Außerdem plant man in Stuttgart, das Formel-1-Programm in Zeiten der Wirtschaftskrise mit einem neuen Partner noch kostengünstiger gestalten zu können. Der Rückkauf des 40 Prozent-Anteils der Daimler AG durch die McLaren Group soll bis 2011 abgeschlossen sein.
Weiter offen ist, wer im zweiten silbernen Cockpit platz nehmen darf. Mit Weltmeister Jenson Button, der angeblich neun Millionen Euro Gehalt fordert, konnte bisher noch keine Einigung erzielt werden. Button war am Freitag bei McLaren in Woking, um die Fabrik zu besichtigen, und zeigte sich von den Ressourcen des Erfolgsteams beeindruckt. Anschließend traf er sich zu Gesprächen mit Teamchef Martin Whitmarsh. Auch McLaren-Hauptsponsor Vodafone ist von der Idee eines Dreamteams mit den beiden Weltmeistern der vergangenen zwei Jahre, Lewis Hamilton und Jenson Button, sehr angetan. Jedoch raten Experten Button von einem Wechsel nach Woking ab. Einen Ausnahmefahrer wie Lewis Hamilton, der sich dazu bei McLaren seine Heimat geschaffen hat, als Gegner im eigenen Team zu haben, wäre für Button eine gewaltige Herausforderung.
Bereits am Mittwoch soll Kimi Räikkönen in Woking gewesen sein. Er galt bislang als Favorit für das Cockpit neben Lewis Hamilton, nachdem er bei Ferrari durch die Hintertür verabschiedet wurde. Eine Vertragsverlängerung mit Heikki Kovalainen erscheint dagegen als unwahrscheinlich.
1998, 1999 und 2008 holte das britisch-deutsche McLaren Mercedes Team jeweils die Fahrer-Weltmeisterschaft und außerdem 1998 die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Zehnmal wurde das Team McLaren Mercedes Vizeweltmeister, je fünfmal in der Fahrer- und Konstrukteurswertung.
